
HAZ, Montag 23. Oktober 1989
Pflege mit Pferden und Elektrokarren?
Kampf um einen „autofreien“ Georgengarten
Jahrelang hat Gertrud Hamann aus der Nordstadt mit Briefen, Telefonaten
und Beschwerden bei vielen Dienststellen gegen die „Autoflut“ im Georgengarten
angekämpft und wurde mit Worten des Bedauerns abgespeist. Nun ist
sie mit ihren Beschwerden an die Öffentlichkeit gegangen und erhofft
sich vom Bezirksrat Nord massive Unterstützung für einen „autofreien“
Georgengarten. „Wir können uns doch einen der schönsten Parks
in der Stadt nicht von Autos kaputtmachen lassen“, findet die Nordstädterin.
Gertrud Hamann gehört nicht nur zu den ständigen Besuchern
des Parks zwischen Wilhelm-Busch-Museum, Hauptallee und Großem Garten,
sie hat den Georgengarten auch sonst täglich im Blick: Ihre Wohnung
liegt in Sichtweite des Parks und ihre Arbeitsstelle an der Herrenhäuser
Straße ermöglicht ihr ständige Einblicke. Dabei beobachtet
sie seit Jahren mit wachsendem Ärger, wie Fahrzeuge des Grünflächenamtes
vom Werkhof an der Jägerstraße über die asphaltierten Verbindungswege
zur Hauptallee und weiter zur Straße an der Graft rollen, um von
dort aus über die Herrenhäuser Straße an ihre Einsatzorte
zu fahren.
Es sind aber nicht nur die Fahrzeuge des städtischen Fuhrparks,
die für Ärger in der Erholungszone sorgen. Häufig kommen
auch Studenten der Vermessungstechnik mit dem Auto, die an der Herrenhäuser
Allee ihre Studien treiben. Mitarbeiter der Stadtentwässerung gehören
zu denjenigen, die an die Kontrollschächte des Zentralsammlers unter
der Allee heranfahren, und manchmal sind es nach Beobachtungen der Nordstädterin
auch "einfach freche Privatfahrer, die den Weg von Herrenhausen zur Jägerstraße
abkürzen wollen. Wenn man denen etwas sagt, gibt es noch eine patzige
Antwort.“ Um eine bessere Grundlage für ihre Klagen zu haben, hat
Gertrud Hamann in diesem Jahr die Fahrzeuge gezählt.
Dabei kam, wie sie dem Bezirksrat mitteilte, eine stattliche Sammlung
von 134 Autos vom 21. Februar bis 20. April zusammen. Bis Ende September
kletterte die Zahl auf 371 Fahrzeuge: "20 Autos am Tag sind keine Kleinigkeit.“
Der Ärger ist nicht neu, denn schon im September 1985 hatte die
Nordstädterin das Grünflächenamt gebeten, entweder Elektrokarren
einzusetzen oder sich Pferden bei der Parkpflege zu bedienen. Im vergangenen
Jahr bat sie um Öffnung der Brücke hinter dem Wilhelm-Busch-Museum,
damit die Pflegefahrzeuge ihren Weg wenigstens abseits der zentralen Erholungszone
nehmen können. „Die Antworten waren enttäuschend.“ Pferde habe
die Stadt nicht, der Einsatz von Elektrokarren sei unwirtschaftlich und
die Brücke sei für Autos nicht zugelassen.
Auf eine weitere Intervention im Frühjahr wurde ihr mitgeteilt,
das Grünflächenamt müsse seine Arbeitsorganisation straffen,
wozu auch die „Reduzierung von Wegezeiten“ gehöre. Es ließe
sich nun mal nicht vermeiden, dass Amtsfahrzeuge dort entlang fahren, und
man habe die Fahrer angewiesen, wenigstens Schritttempo einzuhalten. Doch
Gertrud Hamann will sich damit nicht zufrieden geben. „Die Stadt weiß
ja nicht einmal, wer eine Sondergenehmigung hat. Die sollte man mal genauer
überprüfen und kontrollieren“, fordert sie und stieß dabei
bei manchen Bezirksratsmitgliedern auf offene Ohren.
Abteilungsleiter Klaus Heene aus dem Grünflächenamt begrüßt
das Engagement der Nordstädterin, sieht aber auch wenig Chancen, das
Übel abzustellen. „Ich habe keine Leute, um die Zufahren zu überprüfen,
und die Polizei hilft uns dabei nicht. Eigentlich dürfen nur Autos
mit Sondergenehmigung dort verkehren. Uns stört der Fahrzeugverkehr
schon lange, weil die Mittelallee kaputt gefahren wird.“ Absperrpfosten
zu installieren sei sinnlos, „denn jeder Hanswurst hat einen Dreikant zum
Aufschließen“. Bleibt abzuwarten, was sich der Bezirksrat zu diesem
Problem einfallen lässt. WSt