
Datum=20.12.2000; Quelle=NP; Ressort=LOKA;
STÖRENFRIED KUNDE KÖNIG KUNDE
SERIENFOLGE 1321
Pfennigteil streikt, Philips schickt Neugerät
... weil Firma für Anrufbeantworter keine Ersatzteile
auf Lager hat
Wenn ein Pfennigteil hin ist ...
Seit vier Jahren ist NP-Leserin Julia-Gertraud Hamann (57) aus Hannover
Besitzerin eines Anrufbeantworters der Firma Philips. Bis vor sechs
Monaten
tat der Apparat zuverlässig seinen Dienst. "Aber auf einmal konnte
ich keine
Nachrichten mehr löschen", erzählt unsere Leserin.
Also bat sie einenBekannten, sich das Gerät einmal näher
anzusehen. "Er fand den
Defekt. Ein kleines Plastikteil war gebrochen. Ein Artikel, der nur
ein paar Pfennige
kosten dürfte". Die Kundin schickte Philips in Hamburg am 21.
Juni ein Fax,
fragte nach, ob und zu welchen Preis das Ersatzteil lieferbar sei.
"Leider
bekam ich keine Antwort". Auch vier weitere Anfragen per Fax und E-Mail
blieben unbeantwortet. Da kann nur noch die NP helfen, dachte sich
Julia-Gertraud Hamann und schickte dem König-Kunde-Team eine E-Mail.
Die Redaktion bat Philips um eine Stellungnahme. Kundendienstleiter
Thomas
Irmscher klärte den Fall innerhalb eines Tages. Die Anfrage der
Kundin sei
an die falsche Abteilung nach Hamburg und nicht nach Eschborn (bei
Frankfurt) gegangen. Nun habe man die Sache geprüft. Produkte
der Kategorie
Anrufbeantworter und schnurgebundene Telefone werden im Garantiefall
gegen
ein baugleiches Modell ausgetauscht.³
Grund: Reparatur- und Materialkosten würden den Wert eines neuen
Gerätes
überschreiten. Deshalb lagere man auch keine Ersatzteile. Im Fall
unserer Leserin
zeigt Philips nun aber außergewöhnliche Kulanz. Wegen des
Ärgers bekommt sie einen nagelneuen Anrufbeantworter aus der Produktreihe
"Elegance" geschickt.
Die NP meint: Das ist die Schattenseite des High-Tech-Zeitalters. Repariert
wird nicht mehr. Was kaputt ist, wandert auf den Müll, auch wenn
nur ein
Pfennigteil hin ist. Ärgerlich auch, dass Philips-Hamburg die
Anfragen der
Kundin nicht weitergeleitet hat. Trotzdem ist die Kundin wegen der
großzügigen Kulanz letztlich gut bedient.
(c) 2000 Verlagsgesellschaft Madsack